Zwischen Mozart und Moderne: Kurztrip nach Wien

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Wenn die Begriffe „Österreich“ und „Urlaub“ zusammen in einem Satz auftauchen, kann man sich ziemlich sicher sein, dass in den darauffolgenden Sätzen von „Bergen“ und „Schifoan“ die Rede sein wird. Nicht so bei uns: Wir waren in der Kulturmetropole Wien, haben in der alten Donau geschwommen, im Museumsquartier die Füße baumeln lassen, sind stundenlang durch die Stadt flaniert, haben köstlich gespeist und sind nur schweren Herzens wieder abgereist.

Dass modernes, hippes, weltoffenes Leben in einer traditionsreichen Stadt wie Wien ohne Weiteres möglich ist, macht den besonderen Charme dieser Stadt aus. Hier sind unsere Empfehlungen für euren nächsten Trip in Österreichs Hauptstadt.

Hinkommen:

Leider liegt Wien nicht mal eben um die Ecke wie Amsterdam, Brüssel oder Paris. Sowohl mit dem Auto als auch mit dem Zug braucht man für die Strecke 8 bis 9 Stunden. Daher ist Fliegen am schnellsten und bequemsten. Mit etwas Glück ergattert ihr bei Eurowings Tickets für 39,99 Euro pro Flug.

Unterkommen:

Mit dem 25hrs Hotel haben wir schon in Hamburg gute Erfahrungen gemacht – und auch die Wiener Location direkt am Museumsquartier hat uns nicht enttäuscht: ein durchdachtes Designkonzept mit viel Liebe zum Detail, bequeme Betten, tolles Frühstück und ein sehr freundliches junges Personal, das immer zur Stelle ist, wenn man Hilfe oder Tipps braucht. Highlights des 25hrs in Wien sind die fantasievoll gestalteten Zimmer, die grandiose Aussicht von der Dachterrasse und die perfekte Lage zwischen Innerer Stadt und Josefstadt. Und wenn man mal weiter rausfahren möchte, kann man sich einfach gratis eines der Fahrräder oder einen Mini leihen, die draußen vor dem Eingang stehen.

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Unsere Highlights:

Abseits von Stephansdom, Schloss Schönbrunn, Mozarthaus, Prater, Naschmarkt und den anderen üblichen Sehenswürdigkeiten haben wir für euch großartige Spots ausfindig gemacht, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Museumsquartier
Neben den zahlreichen Museen gibt es hier auch ein gutes gastronomisches Angebot (Tipp: jeden 1. Mittwoch im Monat Kärntner Kasnudeln im MQ daily!), Konzerte und andere Veranstaltungen. Vor allem aber ist es ein angesagter Treffpunkt für junge Leute zum „cornern“. Dazu laden die zahlreichen Enzis (große Schaumstoff-Möbelgebilde) ein, auf denen man gemütlich liegen, sitzen, Bier trinken, lesen usw. kann. Besonders abends im Sommer ist es hier rappelvoll!

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Taqueria Los Mexicas
In der Wiener Josefstadt, unweit vom Museumsquartier, liegt das mexikanische Restaurant Taqueria Los Mexicas. Neben traditionellen mexikanischen Gerichten gibt es eine große Auswahl an Cocktails. Sehr zu empfehlen ist der Margarita mit Salzrand. Auch lecker: Horchata, ein alkoholfreier Erfrischungsdrink aus Erdmandelmilch, das man wahrlich nicht in jedem mexikanischen Restaurant bekommt.

Alte Donau
An heißen Tagen lohnt es sich, den Weg zur Alten Donau auf sich zu nehmen um dort im kühlen Nass des stillgelegten Donau-Arms einzudippen. In dem großflächigen Freibad findet sich genug Platz, um neben der Sonne auch noch ein angemessenes Maß an Privatspähere zu genießen. Obwohl man die Stadt nicht verlässt, kann mich sich hier perfekt entspannen – ob vom Altagstrubel oder Touri-Stress.

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Filmcasino
Die Geschichte des Filmcasinos ist fast so lang wie die Geschichte des Films selbst. Das Kino erinnert mit seinen Neonröhren und dem großen stylischen Kinosaal an die Blütezeit des Kinos und ist der lebende Beweis, weshalb das Kino als Institution und Aufführungsort für Filme nicht durch ein übergroßes Smart-TV-Gerät ersetzt werden kann. Wie sich das für Programmkinos gehört, bietet auch das Filmcasino ein tolles Angebot an Filmen abseits des Mainstreams.

Rhiz (im Stadtbahnbogen)

Dass ein guter Club nicht wirklich für sich werben muss, weiß jeder. Von außen macht das rustikal eingerichtete Rhiz daher auch nicht wirklich auf sich aufmerksam, zumal es nur einer von vielen Clubs ist, die in den Wiener Stadtbögen direkt nebeneinander zu finden sind. Schon eher durch die exquisite Auswahl an Veranstaltungen. Ob Konzert, DJ-Set, Filmvorführung oder einfach nur Kneipenabend – das Rhiz ist einer der spannendsten popkulturellen Läden in Wien.

Sigmund-Freud-Museum
Ob Traumdeutung oder Psychoanalyse – Sigmund Freud ist sicherlich der weltweit einflussreichste Psychologe des 20. Jahrhunderts. In seinem Wohnhaus in der Berggasse 19, unweit des Uni-Campus, gibt es viel zu erfahren über Freuds Arbeit, seine Flucht als Jude im zweiten Weltkrieg und sein Leben als Wiener. Nur die weltbekannte Couch gibt es dort leider nicht zu sehen.

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Café Sperl

Zu jedem Wienbesuch gehört natürlich auch ein Besuch in einem typischen Kaffeehaus. Das Café Sperl ist so eins. Seine Geschichte geht bis ins Jahr 1880 zurück – mehr Tradition geht also kaum. Im prunkvollen Inneren kann man neben den Kaffeespezialitäten wie der Wiener Melange, dem Braunen und dem Einspänner natürlich auch die passenden Naschereien dazu bestellen. Selbstverständlich auch eine Sachertorte.

Glasfabrik

In Ottakring befindet sich ein Paradies für alle Vintage- und Antiquitäten-Fans. Auf 3.000 qm gibt’s in der Glasfabrik jede Menge Liebhaberstücke aus vergangenen Jahrzehnten – von der Porzellanschale bis zum massiven Gründerzeit-Kleiderschrank. Die Auswahl ist wirklich riesig, man wird förmlich erschlagen von all den alten Dingen, die hier jeden Winkel einnehmen. Ach ja, wem der Preis nicht ganz zusagt: Handeln kann man hier übrigens auch.

Shakespeare & Company
Dieser schöne Buchladen im Wiener Ruprechtsviertel ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen, rund um die Uhr überfüllten Pendant in Paris. Das heißt aber nicht, dass diese Buchläden sich unähnlich sind. So besteht in Wien, genau wie im Pariser Shakespeare & Company, der größte Teil der Literatur aus englischsprachigen Büchern, die in eigenwillige Kategorien wie z.B. ‚funky literature‘ eingeordnet sind.  Der große Vorteil zum Pariser Laden ist: Die Atmosphäre ist sehr viel entspannter, sodass man in Ruhe stöbern und neue Lieblingsbücher shoppen kann.

Raimundhof-Passage

Zwischen der wuseligen Einkaufsmeile Mariahilferstraße und der Windmühlgasse liegt eine kleine Oase aus mehreren miteinander verbundenen Höfen, die eine entspannte Idylle ausstrahlen. Hier gibt es neben kleinen Geschäften mit Schmuck, Handwerkskunst und Co. auch ein tolles vegetarisch-veganes Restaurant: Im Nice Rice könnt ihr euch durch drei verschiedene Esskulturen futtern: Österreich, Indien und Persien.

Café Gagarin
Im Café Gagarin in der Garnisongasse bekommt ihr jeden Tag bis 22 Uhr hausgemachtes veganes oder vegetarisches Bio-Essen zu fairen Preisen. Außerdem finden in dem Café auch regelmäßig Konzerte und politische Veranstaltungen statt. Übrigens: Der kollektivgeführte Laden lässt sich aufgrund der übertrieben hohen Stickerdichte nur schwer übersehen…

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Pizza Mari

Eine Pizzeria ganz ohne Schnickschnack. Hier geht’s vor allem um den guten Geschmack. Kaum 3 Minuten bleibt die Pizza hier im Ofen, dafür bei sehr hohen Temperaturen – ganz nach dem neapolitanischen Vorbild. Das Ergebnis ist einfach köstlich! Wer schon mal in Neapel war und dort das Original gegessen hat, wird das bestätigen können.

Veganista
Vermutlich die beste Eisdiele, die Wien zu bieten hat! Und der Name lässt es schon vermuten: Alle Eissorten – ob Fruchtsorbet, Schokolade, Erdnuss oder was auch immer – sind vegan.
 Das vegane Eis-Alternativen geschmacklich nicht immer ganz an das gewohnte, nicht pflanzenbasierte Äquivalent herankommen, ist sicherlich häufig zutreffend, aber hier nicht! Jede Sorte schmeckt fantastisch. Ein Traum für Veganer*innen und alle anderen.

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Phil
In diesen Laden haben wir uns auf Anhieb verliebt, denn er ist Café, Buchladen und Bar in einem. Egal, ob man morgens auf eine Tasse Cappuccino vorbeischaut oder spätabends zum Cocktail – zu jeder Tageszeit hat man noch dazu die Möglichkeit, in einem großartigen Buchsortiment zu stöbern, von Popkultur über Philosophie, Kunst, Design bis hin zu Reiseliteratur. Vieles davon aus unabhängigen Verlagen – das finden wir besonders gut.

Guerilla Bakery
Was 2011 mit einem kleinen Pop-up-Backevent begann, verwandelte sich schon bald zum angesagtesten Kuchen- und Kaffeeklatsch Wiens. Im Januar dieses Jahres eröffneten die drei Schwestern Isabel, Sarah und Vanessa Scharl schließlich ihr eigenes Ladenlokal in der Favoritenstraße. Lasst euch das traumhafte Gebäck der Ofenheldinnen auf keinen Fall entgehen! Es locken aber nicht nur himmlische Teilchen, Törtchen und Kuchen, sondern auch leckere Getränke. Und wer sich zu Hause auch mal an neuen Backkreationen versuchen möchte, kann sich das eigens für die Guerilla Bakery zusammengemischte Qualitätsmehl mit nach Hause nehmen.

Schillinger
Im Gasthaus Schillinger im Ort Großmugl, etwas außerhalb von Wien, gibt es seit über 200 Jahren klassische österreichische Gerichte. Im Jahr 1998 wurde die Speisekarte leicht abgeändert, sodass seither alle Gerichte vegan sind. Wer also gern mal ein Wiener Schnitzel, Kotlett oder Käsespätzle auf Pflanzenbasis verputzen möchte, sollte hier unbedingt vorbeischauen. Da man ohne Vorbestellung keine Chance auf eine Mahlzeit hat, sollte man zeitig einen Tisch reservieren.

BUCHTIPP: Lieblingsorte Wien (Insel Verlag)
36062Noch mehr Tipps abseits des üblichen Touri-Repertoires gefällig? Im alternativen Reiseführer „Lieblingsorte Wien“ hat Stadtkennerin Susanne Schaber ihre liebsten Spots und ganz persönlichen Geheimtipps zusammengetragen. Aufgeteilt ist das Ganze in die verschiedenen Bezirke Wiens – sehr übersichtlich und noch dazu sehr charmant getextet.

 

(Autor: Frank Hagemann)

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