Wenn es so kommt, wie es Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) und der International School of Management (ISM) in Frankfurt/Main errechnet haben, steht den Zuschauern der Fußball-Europameisterschaft 2012 eine Neuauflage des Endspiels von 2008 und einige faustdicke Überraschungen bevor. Demnach stößt Co-Gastgeber Polen bis in das Halbfinale vor, während die Niederlande bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten muss. Auch England muss bangen: Gegen Schweden muss ein hoher Sieg her, um durch das bessere Torverhältnis in das Viertelfinale zu kommen. Und für Deutschland wird es kein Selbstläufer, in das Finale zu kommen und dort den Titelverteidiger vom Thron zu stoßen, aber die Statistik und der Zufall sprechen dafür.
In einem zweistufigen Modell haben Dr. Michael Groll (DSHS) und Prof. Dr. Bernd Giezek (ISM) den möglichen Verlauf der EM prognostiziert. Berücksichtigt wurden dabei verschiedene Messgrößen, darunter der Marktwert der Mannschaften, Wettquoten und zusätzliche Sondereffekte wie Zufallsfaktoren oder Gastgeberbonus. Der daraus entstehende Wert entscheidet über den Favoritenstatus in den jeweiligen Partien. Auch der Faktor Zufall spielt eine entscheidende Rolle. „Je näher die ermittelten Statistikwerte beieinander liegen, je geringer also der angenommene Qualitätsunterschied zwischen den gegnerischen Mannschaften ist, desto größer wird der Einfluss des Zufalls“, erklärt Wirtschaftsmathematiker Giezek. Im Fußball besteht der Faktor Zufall aus den Unterkategorien Glück – beispielweise Schiedsrichterentscheidungen oder Pfostenschüsse – und Tagesform. Den Einfluss des Zufalls bei Spielen zwischen gleichstarken Mannschaften in der Bundesliga und in der Premier League beziffern Groll und Giezek nach Berechnungen des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts auf etwa 50 Prozent.
Zudem können sich die Zuschauer auf insgesamt etwa 85 Treffer und eine Steigerung des Toredurchschnitts auf ca. 2,7 Tore pro Spiel freuen (EM 2008: 77 Tore, Durchschnitt pro Spiel 2,48). Die durchschnittliche Trefferanzahl bei Europa- oder Weltmeisterschaftsspielen korrespondiert nämlich auffallend mit dem Toredurchschnitt der vorangegangenen Champions League-Saison. Dort wurden im jüngst abgelaufenen Wettbewerb 347 Tore in 125 Spielen geschossen (ohne Elfmeterschießen), das macht einen Schnitt von knapp 2,8 pro Spiel.
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